|
Ambulant
durchführbare gynäkologische Operationen
Welche Eingriffe ambulant
durchgeführt werden können, hängt nicht allein von Dauer und
Größe der Operation ab, sondern vielmehr von der Qualität der
Narkose und vor allem von der Bereitschaft der Patientin sich
überhaupt ambulant operieren zu lassen. Erfahrungsgemäß müssen
Patientinnen die zu einem ambulanten Vorgehen überredet wurden auch
nach sehr kurzen, unkomplizierten Eingriffen letztendlich doch
stationär aufgenommen werden. Frauen die aus Überzeugung ambulant
operiert werden wollten können hingegen selbst nach Eingriffen von
3 Stunden Dauer noch am gleichen Tage wieder nach Hause gehen. Das
Spektrum gynäkologischer ambulant durchzuführender Operationen ist
vielfältig:
Kleinere
gynäkologische Eingriffe wie z.B.
-
Entfernung
von Feigwarzen (Condylomen)
-
Ausschabung
bei Fehlgeburten (Abortcurettage)
-
Kegelförmige
Ausschneidung am Muttermund (Konisation) bei auffälligen
Abstrichen
Spiegelung
der Gebärmutterhöhle (Hysteroskopie) zur:
-
Abklärung
von Blutungsstörungen
-
Myom-
oder Polypentfernung
-
Entfernung
bzw. „Verkochung“ der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumablation)als
Alternative zur Gebärmutterentfernung
Bauchspiegelung:
-
Abklärung
unklarer Befunde oder Schmerzen
-
Abklärung
bei ungewollter Kinderlosigkeit (Sterilität ) und Behandlung
möglicher Faktoren (z.B. Eröffnung der Eileiter)
-
Diagnose
und Behandlung der Endometriose
-
Myomentfernung
-
Zystenentfernungen
bzw. Entfernung der Eierstöcke
-
Behandlung
der Eileiterschwangerschaft
-
Verwachsungslösungen
-
Sterilisation
Eingriffe
an der Brust:
-
Feinnadelpunktion
-
Hochgeschwindigkeits-Stanzbiopsien
-
Gewebsentnahmen
-
Entfernung gutartiger Knoten
Allgemeine
Anmerkungen zur Spiegelung der Gebärmutter und zur Bauchspiegelung
Der
Begriff „Endoskopie“ bezeichnet in der Medizin den Einblick in
einen bestehenden Raum mittels eines optischen Systems. In der Gynäkologie
werden zumeist starre Stabkameras (Endoskope) unterschiedlichen
Durchmessers (1,2-12mm) verwendet. Über eine Kaltlichtquelle wird
der Raum durch die Stabkamera ausgeleuchtet.
Die
meisten Eingriffe betreffen den Bauchraum (Laparoskopie,
Pelvsikopie) und die Gebärmutterhöhle (Hysteroskopie). Während
bei der Spiegelung der Gebärmutterhöhle ein natürlicher
Zugangsweg besteht (Scheide-Muttermund-Gebärmutterhals) muß dieser
bei der Bauchspiegelung erst künstlich geschaffen werden. Hierzu
wird im Nabel selbst zunächst ein kleiner Schnitt angelegt. Um
Verletzungen der unmittelbar unter der Bauchdecke liegenden Organe
zu vermeiden wird zunächst der Bauchraum unter Verwendung einer dünnen
Nadel aufgeblasen. In die dann entstandene „Bauchhöhle“
wird ebenfalls über den Nabel ein
Endoskop (7-10mm) eingeführt. Durch im Schamhaarbereich
eingeführte Hülsen (Trokare, 5-10 mm) können weitere Instrumente
in den Bauchraum gebracht werden.
Rein
technisch können alle gynäkologischen Operationen inzwischen auch
endoskopisch durchgeführt werden. In einigen Fällen ist jedoch die
„klassische“ Vorgehensweise weiterhin sinnvoll bzw. notwendig.
Die
Hysteroskopie ist eines der neueren gynäkologischen Verfahren
welches leider auch heutzutage noch nicht in allen gynäkologischen
Kliniken eingesetzt wird. Da man jedoch inzwischen weiß, dass bei
der herkömmlichen , blind durchgeführten Ausschabung (Abrasio)
mehr als 20% der Befunde in der Gebärmutterhöhle verbleiben,
sollte insbesondere bei Blutungsstörungen nach den
Wechseljahren die Ausschabung immer mit einer Hysteroskopie
kombiniert werden. Nur so läßt sich sicher klären, ob ein im
Ultraschall nachgewiesener Befund nach der Ausschabung auch entfernt
ist.
Unklare
Schmerzen im Bauchraum
Ein
häufiger Grund für die Durchführung einer Bauchspiegelung ist die
Abklärung unklarer Schmerzzustände im Bauchraum. Die Ursachen für
solche Schmerzen sind sehr unterschiedlich. Neben Entzündungen
(z.B.Eileiter, Blinddarm etc), Verwachsungen und Zysten spielt häufig
auch die Endometriose (s.u.) eine Rolle. Bei Verwachsungen sind
verschiedene Strukturen aneinander fixiert, die normalerweise
beweglich und verschieblich nebeneinander liegen. Durch Zug und
Spannung kann es in einigen dieser Fälle zu Schmerzen kommen, in
seltenen Fällen mit Einklemmungen von z.B. Darmanteilen.
Verwachsungen können als Folge einer Entzündung oder nach
Operationen auftreten.
Nicht
immer kann die Ursache der Beschwerden durch eine Bauchspiegelung
eindeutig geklärt und behoben werden. Oft hilft es der Patientin
beim Umgang mit den Schmerzen jedoch zu wissen,
dass mit großer Wahrscheinlichkeit keine gravierende oder
gar bösartige Erkrankung vorliegt.
Ungewollte
Kinderlosigkeit (Sterilität)
Wenn
eine Patientin mit Kinderwunsch über einen Zeitraum von 12 Monaten
bei regelmäßigem, gezielten Verkehr nicht schwanger wird so
spricht man von Sterilität. Da fast ebensohäufig die Ursachen beim
Partner liegen, sollte zunächst das Sperma des Mannes untersucht
werden.
Gleichzeitig
ist es sinnvoll, durch eine Bauchspiegelung abzuklären, ob nicht
bei der Frau Faktoren vorliegen die eine Schwangerschaft verhindern:
Verwachsungen des Eileiters bzw der Eierstöcke, hormonbedingte Störungen
des Eierstocks (z.B. Polyzystische Ovarien), Endometriose etc.
Während
des Eingriffes wird die Durchgängigkeit der Eileiter überprüft
indem man über die Scheide und Gebärmutter eine blau gefärbte Lösung
spritzt (Chromopertubation), deren Austreten bei offenen Eileitern während
der Bauchspiegelung beobachtet werden kann. Die Spiegelung der Gebärmutterhöhle
sollte ebenfalls erfolgen, um störende Faktoren in der Gebärmutterhöhle
auszuschließen.
Endometriose
Endometriose
ist ein weit verbreitetes Phänomen. Hierbei finden sich an
unterschiedlichen Stellen im Unterbauch oft nur winzige,
stecknadelkopfgroße Herde. Das Gewebe ist unter dem Mikroskop
vergleichbar der Schleimhaut in der Gebärmutter (Endometrium)
welche zyklisch abblutet. Die Ausdehnung der Herde variiert
erheblich. Bei ca. 20% aller Frauen kann während der
Bauchspiegelung eine Endometriose nachgewiesen werden. Die meisten
Patientinnen mit Endometriose werden problemlos schwanger und haben
keine Beschwerden. In einigen Fällen kann die Endometriose jedoch
zu ungewollter Kinderlosigkeit und zu Schmerzen führen.
Die
Diagnose „Endometriose“ sollte nur gestellt werden, wenn eine
feingewebliche Untersuchung vorliegt. Dass heißt: während einer
Bauchspiegelung wird eine Gewebsprobe entnommen und zur Untersuchung
weitergeleitet. Gleichzeitig wird versucht sämtliche
Endometrioseherde zu zerstören,
endometriosebedingte Verwachsungen zu lösen und evtl
vorhandene Endometriosezysten im Eierstock zu entfernen
(„Schokoladenzysten“ wegen des oft eingedickten,
schokoladenartigen Zysteninhaltes).
Ob
auch eine medikamentöse Nachbehandlung erforderlich ist hängt von
unterschiedlichen Faktoren ab und sollte mit dem behandelnden Arzt
eingehend besprochen werden. Da alle medikamtösen Therapieansätze
in den hormonellen Regelkreis der Frau eingreifen, kommt es z.T. zu
nicht unerheblichen Nebenwirkungen (z.B. Wechseljahrsbeschwerden).
Auch nach optimaler Behandlung ist bei ca. 50% der Patienten nach 5
Jahren erneut eine Endometriose nachweisbar.
Nach
den Wechseljahren verschwinden die Symptome meist von selbst.
Endometriumablation
Eine
der häufigsten Ursachen für die Entfernung der Gebärmutter waren
in den vergangenen Jahren die mit Medikamenten nicht mehr zu
behandelnden starken Periodenblutungen. Glücklicherweise steht seit
einigen Jahren ein Verfahren zu Verfügung welches in der Lage ist,
einen erheblichen Teil der Gebärmutterentfernungen zu vermeiden:
die Endometriumablation. Hierbei wird mit unterschiedlichen Mitteln
(elektrischer Strom, Hitze, Laser) aber nahezu identischem Erfolgt
die Schicht in der Gebärmutterhöhle zerstört bzw. abgetragen, die die Schleimhaut bildet. Der
Eingriff erfolgt von der Scheide aus und dauert ca. 30 Minuten. Bei
sorgfältiger Indikationsstellung gelingt es in 70-80% der
Patientinnen die Blutung langfristig auf ein normales Maß zu
reduzieren bzw. eine Blutungsfreiheit zu erreichen. In vielen Fällen
kann durch die „Endometriumablation“ eine Entfernung der Gebärmutter
vermieden werden.
Myome
Bei
mehr als 50 % aller Frauen lassen sich feingeweblich in der Gebärmutter
Myome (feste Muskelknoten) nachweisen. Myome sind somit nicht von
vornherein ein krankhafter Prozess. Ob ein Myom behandelt werden muß
hängt entscheiden von der Lage ab: in die Gebärmutterhöhle
hineinragend (submukös), in der Wand gelegen (intramural) oder in
den Bauchraum hineinwachsend (subserös), wobei sämtliche
Mischformen existieren können.
Myome, die in die Gebärmutterhöhle hineinragen können
Blutungsstörungen verursachen
und evtl. eine Schwangerschaft verhindert.
Diese sog. submukösen Myome können durch die Spiegelung der
Gebärmutterhöhle erkannt und wenn nötig entfernt werden. Komplett
in der Wand gelegene intramurale Myome benötigen in der Regel keine
Therapie. Wächst das Myom in den Bauchraum hinein (subserös) kann
es bei ausgeprägten Befunden zu Verdrängungserscheinungen und in
seltenen Fällen zu einer schmerzhaften Stieldrehung kommen. Viele
dieser subserösen Myome können wenn nötig durch Bauchspiegelung
entfernt werden. Nochmals: Wenn beim behandelnden Gynäkologen durch
Tastbefund oder Ultraschall ein Myom festgestellt wird so heißt
dies keinesfalls, dass das Myom auch entfernt werden muß. Die
wenigsten Myome müssen operativ behandelt werden. Meist reicht es
aus, das Größenwachstum zu kontrollieren.
Eine
bösartige Entartung der Myome ist glücklicherweise extrem selten.
Zysten
Zysten
können an unterschiedlichen Stellen im Bauchraum auftreten, am häufigsten
betreffen sie jedoch den Eierstock. Die Zysten liegen meist im
Eierstock selbst. Sie bestehen aus einer dünnen Hülle welche mit
unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt sein kann. Meist besteht
der Zysteninhalt aus klarer, wasserartiger Flüssigkeit,
gelegentlich aus Blut unterschiedlicher Konsistenz. In selteneren Fällen können
innerhalb einer Zyste auch feste Anteile (Talg, Haare, Zähne)
gefunden werden.
Zysten
müssen operiert werden wenn sie starke Schmerzen verursachen, wenn
der Ultraschallbefund verdächtig ist oder wenn die Patientin über
60 Jahre alt ist. In fast allen anderen Fällen reicht es aus die
Zyste mittels Ultraschall mindestens über 3 Zyklen zu
kontrollieren. Gerade bei jüngeren Patientinnen verschwinden die
meisten Zysten von selbst. Unnötige Operationen können somit häufig
vermieden werden. Vor den Wechseljahren ist die Gefahr von Bösartigkeit
relativ gering. Mit zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit
jedoch an.
Natürlich
existiert das oft zitierte Risiko des „Platzens“ (Ruptur) einer
Zyste. Nur in wenigen Fällen kann es hierbei jedoch zu einer stärkeren
Blutung kommen. Verglichen mit der Häufigkeit des Auftretens von Zysten ist
sowohl die Ruptur als auch die Stieldrehung einer Zyste ein aüßerst
seltenes Ereigniss.
Die
meisten Zysten können, unabhängig von ihrer Größe, durch eine
Bauchspiegelung behandelt werden. Während es bei bestimmten Zysten
ausreicht ein Stück aus der Wand herauszuschneiden
(„Zystenfensterung“, „Zystostomie“) muß die Wand
andere Zysten komplett entfernt werden („Zystektomie“).
Eingriffe
an der Brust
Für
jede Patientin ist die Diagnose eines Knotens in der Brust ein
schockierendes, oft mit starken Ängsten und Befürchtungen
behaftetes Ereignis. Umso wichtiger ist es rasch eine sichere
Diagnose herbeizuführen. In vielen Fällen ist es dem erfahrenen
Untersucher möglich durch gezielte Punktion,
Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie bzw. gezielte Entnahme von Gewebe
schnell abzuklären, ob es sich um einen gutartigen Befund handelt
oder ob weitere Maßnahmen und Untersuchungen erforderlich sind. Ein
Teil der Biopsien und Punktionen kann unter örtlicher Betäubung
durchgeführt werden.
Anmerkungen
zur Narkose
Die
meisten der zuvor genannten Eingriffe bedürfen einer Vollnarkose,
ein Faktor der die Patienten oft mehr beunruhigt als der Eingriff
selbst. Leider kann man diese oft unterschwellige Angst der
Patientin in einigen Fällen auch im Vorgespräch nicht zerstreuen.
Narkosemittel der neuesten Generation werden jedoch deutlich besser
vertragen und schneller abgebaut. Zusätzlich wird die Dosierung möglichst
niedrig gehalten und genau an die Erfordernisse des jeweiligen
Einfriffes angepaßt. 95% der Patienten gehen auch nach längeren
Eingriffen eigenständig vom OP-Tisch wieder in ihr Bett.
Übelkeit und Unwohlsein, früher unvermeidlich mit Narkose
verbunden, treten heutzutage deutlich seltener auf.
Autor:
Dr.
Mathias Hesseling
|