| Geburt
Am Ende der
Schwangerschaft bereitet sich der mütterliche Körper auf die
Geburt vor. Der Zeitpunkt ist meistens innerhalb von 10 Tagen vor
bis 10 Tagen nach dem errechneten Geburtstermin. Nur 4% der Kinder
werden tatsächlich am errechneten Termin geboren.
Die Entscheidung, wo das Kind zur Welt
kommen soll, fällt den meisten Frauen nicht leicht. Es gibt mehrere
Möglichkeiten:
- Geburtsklinik: Der große Vorteil
ist, dass Gynäkologen, Anästhesisten und Hebammen bereitstehen
und alle medizinischen Möglichkeiten, einschließlich einem
evtl. notwendigen Operationssaal vorhanden sind. Meistens sind
die Kliniken einer Kinderklinik angeschlossen, bzw.
Kinderkliniken befinden sich in der Nähe. Der Nachteil liegt
darin, dass es sich um eine der Kreißenden fremden Umgebung
handelt, was sich negativ auf ihre Anspannung auswirken könnte.
Allerdings haben die meisten Kreißsäle heute eine sehr
familiäre Atmosphäre, und von dem früher üblichen steril und
kalt wirkenden Kreißsaal ist nicht mehr viel übrig. Häufig
können die Frauen eine geburtbegleitende Hebamme mitbringen.
Auch kann die Frau wenn, es medizinisch machbar ist, ambulant
entbinden, d.h. sie kann einige Stunden nach der Geburt wieder
nach Hause gehen.
- Geburtshaus: das Geburtshaus ist
ein Kompromiss zwischen der Hausgeburt und der Geburtsklinik.
Hier wird großer Wert auf familiäre Atmosphäre und
Natürlichkeit gelegt. Oft gibt es Betreuungsmöglichkeiten für
Geschwisterkinder, Aufenthaltsräume im Wohnzimmerstil für
Kreißende und werdende Väter, und die Geburtszimmer sind sehr
gemütlich eingerichtet. Meist ist ein Arzt vor Ort oder in
Rufbereitschaft, und die medizinischen Möglichkeiten sind zum
Teil auch vorhanden. Falls Komplikationen auftreten, werden die
Kreißenden in eines der umliegenden Krankenhäuser verlegt.
- Hausgeburt: der Vorteil der
Hausgeburt liegt im vertrauten Umfeld für die Kreißende, die
sich hier vielleicht besser entspannen kann als in einer Klinik.
Außerdem kann ein evtl. vorhandenes Geschwisterkind leichter
betreut werden. Auch der werdende Vater hat zu Hause mehr
Möglichkeiten, seiner Frau hilfreich zu sein. Es muss
natürlich für eine Hebamme gesorgt sein, die die Geburt
leitet. Sie muss erfahren genug sein, zu entscheiden, wann es
notwendig ist, eine Klinik aufzusuchen.
Die Entscheidung , wo
das Kind geboren werden soll, muss gut abgewägt werden und sollte
auch mit dem Frauenarzt besprochen werden.
Viele Erstgebärende haben Angst, sie
könnten den Geburtsbeginn verpassen und zu spät in die Klinik
kommen. Doch diese Angst ist unbegründet. Die ersten Anzeichen der
Geburt werden fast immer richtig interpretiert. Im Gegenteil kommt
es eher gehäuft vor, dass Schwangere mit vermeindlichem Wehenbeginn
viel zu früh in die Klinik kommen.
Meistens beginnt die Geburt damit, dass
die häufig schon seit einigen Wochen von der Schwangeren
verspürten sporadisch auftretenden Wehen sich jetzt in
regelmäßigen Abständen wiederholen. Die Frau verspürt ein Ziehen
im Bauch, was ca. 1-2 Minuten anhält und dann wieder verschwindet.
Der Bauch wird dabei hart, zunächst aber noch wenig schmerzhaft.
Anfangs sind die Abstände zwischen den Wehen noch groß ( ca. 10
Minuten), sie werden dann aber bald kürzer, und die Wehen werden
schmerzhafter. Kommen die Wehen in einem Abstand von ca. 5 Minuten,
sollte sich die Schwangere sich in die Klinik oder das Geburtshaus
begeben, bzw. ihrer geburtsbegleitenden Hebamme Bescheid geben. In
der Klinik wird die Schwangere zunächst an den Wehenschreiber (CTG,
abgeleitet werden die Wehen und die Herztöne des Kindes) gelegt,
damit beurteilt werden kann, wie regelmäßig die Wehen sind, und
wie der Zustand des Kindes ist. Danach wird die Schwangere vaginal
untersucht. Damit kann die Muttermundsweite und gegebenenfalls der
Stand des kindlichen Kopfes beurteilt werden.
Im Laufe der Eröffnungsphase, die sich
über mehrere Stunden hinzieht, werden die Wehen nun immer heftiger
und vor allem schmerzhafter. Dieser Geburtsschmerz kann auf
vielfältige Weise beeinflusst werden. Außer über die Atmung,
Entspannungsübungen, Massagen durch den Partner, ein warmes Bad
oder Akupunktur, können auch Medikamente eingesetzt werden, um den
Geburtsschmerz erträglicher zu machen.
Eine Möglichkeit ist z.B., ein
krampflösendes Mittel oder Schmerzmittel zu verabreichen, wobei
letzteres unter Umständen plazentagängig ist, und daher nicht
gegeben werden darf, wenn die Geburt des Kindes kurz bevorsteht. Das
Kind könnte sonst Probleme mit dem Atemantrieb bekommen. Gute
Erfahrungen sind auch mit Lokalanästhetika gemacht worden, mit
denen verschiedene Nerven vorübergehend blockiert werden können.
Ein besonders wirksames und in der Regel
komplikationsarmes Verfahren ist die sog. Periduralanästhesie
(PDA). Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, kann der Mutter
hierfür ein sehr dünner Schlauch zwischen die Wirbelkörper in die
Nähe des Rückenmarkes geschoben werden, über den ein
Lokalanästhetikum in einen die Rückenmarksscheide umgebenden Raum
gespritzt werden kann. Der Geburtsschmerz lässt bei korrekter Lage
innerhalb von 10 Minuten nach. Die Kreißende kann sich jetzt gut
entspannen, manchmal sogar noch einige Zeit schlafen und sich für
die anstrengende Austreibungsphase erholen. Der große Vorteil
dieses Verfahrens ist, dass die Kreißende die Wehen und den Druck
auf das Becken noch verspürt, sie ihr aber keine Schmerzen mehr
bereiten. Da sehr heftige Wehen bei der Kreißenden Stress
verursachen, welcher auf Dauer auch dem Kind sehr zu schaffen macht,
trägt die PDA auch viel zum Wohlbefinden des Kindes bei. Oft
verbessert sie sogar die unter den Wehen schlechter gewordenen
CTG-Befunde (Herztöne des Kindes). Häufig kann der Geburtsvorgang
beschleunigt werden, da die Kreißende sich entspannt und sich die
Geburtswege so schneller weiten können. Über die Risiken und
Nebenwirkungen dieses Verfahrens sollten Sie möglichst schon einige
Zeit vor der Geburt mit Ihrem Arzt sprechen, damit Ihnen unter der
Geburt die Entscheidung leichter fällt.
Meistens sind die Geburtswege im unteren
Bereich so eng, dass sie bei Durchtritt des kindlichen Kopfes
reißen können. Um zu verhindern, dass das Gewebe unkontrolliert
reißt und somit schlechter verheilt, wird häufig eine sog.
Episiotomie angelegt. Das bedeutet, es wird ein Schnitt entweder in
Richtung des Afters oder etwas seitlich davon gesetzt, um dem
kindlichen Köpfchen mehr Platz zu verschaffen. Da in der Pressphase
geschnitten wird, verspürt die Frau relativ wenig davon. Hat die
Frau eine liegende PDA, so wird sie überhaupt keine Schmerzen durch
den Schnitt haben.
Egal, ob nun eine Episiotomie angelegt
wurde oder ob das Gewebe von alleine gerissen ist, wird es nach der
Geburt noch mit einer Naht versorgt werden müssen. Damit dies auch
möglichst schmerzarm verläuft, wird wenn keine PDA liegt, ein
lokales Betäubungsmittel gespritzt und anschließend genäht.
Die meisten Frauen wünschen sich eine
möglichst natürliche Geburt, doch leider gibt es immer wieder
Fälle, in denen ein Kaiserschnitt gemacht werden muss. Manchmal
steht diese Entscheidung schon vor den ersten Wehen fest (z.B. bei
einer Beckenendlage oder einem extrem großen Kind), manchmal muss
die Entscheidung erst unter der Geburt gefällt werden, z. B. weil
es dem Kind schlecht geht, wegen eines Geburtsstillstandes oder
ähnlichem.
Zum heutigen Zeitpunkt ist eine
Kaiserschnittentbindung längst kein so großes Risiko mehr, wie es
das früher war. Oft werden sogar bei länger geplanten
Kaiserschnittgeburten die ersten Wehen abgewartet, bzw. es werden
Wehen induziert, damit das Kind sich auf die Geburt vorbereiten
kann. Auch die anschließende Wundheilung stellt in der Regel kein
Problem dar. In den USA werden viel mehr Frauen per Kaiserschnitt
entbunden als in Deutschland. Dort ist die gängige Lehrmeinung, dass das Risiko der Schnittentbindung geringer ist als das Risiko
der Frau, die auf normalem Wege entbunden hat, in späteren Jahren
Beckenbodenprobleme mit all seinen Konsequenzen zu bekommen.
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