| Nach
der Geburt
Nach der Entbindung
beginnt für die frisch gebackene Mutter ein völlig neuer
Lebensabschnitt. Auch körperlich wird sich jetzt einiges wieder
ändern. Schon kurz nach der Geburt von Kind und Mutterkuchen
beginnt die Gebärmutter, sich zurückzubilden. Zunächst zieht sie
sich unter hormonellem Einfluss immer mehr zusammen. Diesen Vorgang
nennt man Nachwehen. Wenn die Mutter ihr Neugeborenes stillt, wird
bei jedem Stillvorgang ein Hormon freigesetzt, welches die Nachwehen
auslöst, weshalb die Mutter vor allem beim Stillen diese
schmerzhaft verspürt. Nach einem Tag kann man die Gebärmutter
schon etwas oberhalb des Bauchnabels tasten.
Die Rückbildung der durch die
Schwangerschaft hervorgerufenen Veränderungen können mit
Rückbildungsgymnastik sehr gut beeinflusst werden. Auch evtl.
folgenden Beckenbodenprobleme wie Senkungen und Inkontinenz kann auf
diese Weise vorgebeugt werden. Entsprechende Rückbildungskurse
werden von vieler Seite angeboten und oft von der Krankenkasse
bezahlt.
4-6 Wochen nach der Entbindung sollte
die Frau nochmals ihren Frauenarzt aufsuchen. Er wird sie
untersuchen und die Rückbildungsvorgänge sowie den Zustand der
Brüste beurteilen. Letzteres ist sowohl wichtig, wenn die junge
Mutter stillt, als auch dann, wenn sie abgestillt hat. Sicher haben
die meisten Frauen noch viele Fragen, z. B. zum Stillen, zur
Verhütung nach der Entbindung oder in der Stillzeit usw., die der
Frauenarzt ihr bei dieser Gelegenheit beantworten kann.
Hat sich die Frau für eine Geburt in
der Klinik mit stationärem Aufenthalt entschieden, kann sie
zumindest in den ersten Tagen noch einen Teil der Verantwortung
abgeben. In den meisten Kliniken ist heutzutage das
"rooming-in" üblich. Das bedeutet, dass die Mütter ihr
Kind bei sich im Zimmer haben können, soviel sie wollen. Sie sind
für das Füttern und die Pflege ihres Kindes zuständig, können
aber jederzeit im Säuglingszimmer bei den Kinderschwestern um Hilfe
bitten oder ihre Kinder für einige Zeit oder über Nacht dort
abgeben. Die Kinderschwestern können meist gute Tipps zur
Säuglingspflege oder bei Still- oder Fütterungsproblemen geben.
Auch werden die erste kinderärztliche
Untersuchung und die dringend benötigten Stoffwechseltests bei den
Neugeborenen noch in der Krankenhausaufenthaltszeit durchgeführt.
Entbindet eine Frau zu Hause oder
ambulant in einer Klinik oder im Geburtshaus, muß sie sich
rechtzeitig um eine Hebamme kümmern, die in den ersten 10 Tagen
nach der Entbindung regelmäßig zu ihr nach Hause kommt und die
Entwicklung von Mutter und Kind überwacht. Sie kann häufig auch
die Stoffwechseltests durchführen. Für die erste kinderärztliche
Vorsorgeuntersuchung muss die Mutter selbst einen Termin bei einem
Kinderarzt machen. Diese Untersuchung soll zwischen dem 3. und dem
10. Lebenstag durchgeführt werden.
Eine der wichtigsten Entscheidungen, die
eine junge Mutter zu treffen hat, ist, ob sie ihr Kind stillen will
oder nicht. Stillen ist nach wie vor die beste Ernährung für ein
Baby. Über die Muttermilch bekommt der Säugling alle notwendigen
Nährstoffe in gut verdaulicher Form und bestens auf den jeweiligen
Bedarf des Babys abgestimmt. Muttermilch ist immer verfügbar, immer
frisch und immer richtig temperiert. Die Eiweiße in der Muttermilch
sind gut verdaulich, so dass Muttermilch die beste Möglichkeit ist,
Allergien bei den Kindern vorzubeugen. Vor allem aber bekommen die
Babys über die Muttermilch Abwehrstoffe gegen Krankheiten, die die
Mutter bereits durchgemacht hat, und sind so während der
Stillperiode besser vor Infektionskrankheiten geschützt. Nicht zu
vergessen ist auch der enge körperliche Kontakt zwischen Mutter und
Kind beim Stillen, der sehr wichtig für die geistige und
körperliche Entwicklung des Kindes ist und das
Mutter-Kind-Verhältnis fördert.
Trotzdem gibt es auch viele Gründe,
warum manche Mütter ihr Kind nicht stillen wollen: Viele haben
Angst vor der Abhängigkeit, die sie dann auf lange Zeit fast
unzertrennlich mit ihrem Kind verbindet. Für diesen Fall gibt es
eine ganz einfache Lösung: Eine Milchpumpe kann mehr Freiheit
bedeuten. Die Milch kann abgepumpt und im Kühlschrank bis zu 24
Stunden bzw. im Tiefkühlfach mehrere Wochen aufbewahrt werden.
Eine weitere Stillhemmung ist die Sorge,
das Kind könnte nicht satt werden, oder das Stillen könnte aus
einem anderen Grund nicht klappen. Hier hilft nur ausprobieren und
nicht sofort aufgeben! Wenn das Kind ca. 5 nasse Windeln am Tag hat
und regelmäßig an Gewicht zulegt, bekommt es genug Milch.
Es gibt sicherlich noch mehr Gründe,
ein Kind nicht zu stillen. Die Entscheidung sollte jede Frau für
sich selber treffen und sich nicht verunsichern lassen. Die
Flaschennahrung hat heute auch viele Vorteile, so dass eine Frau
kein schlechtes Gewissen haben sollte, wenn sie sich gegen das
Stillen entscheidet.
Das Stillen kann auch Probleme mit sich
bringen. Eines davon ist der Milchstau. Ca. 3-5 Tage nach der
Entbindung bemerkt die junge Mutter ein starkes Spannungsgefühl und
eine Größenzunahme der Brüste. Bisher floss aus der Brust nur das
Kolostrum (Vormilch), welches sehr dünnflüssig und nährstoff- und
antikörperhaltig ist, aber nur in geringer Menge vorhanden ist.
Jetzt ist die Milch eingeschossen, und das Baby kann größere
Mengen trinken. Die Brust wird sich nun dem Bedarf des Babys
anpassen und im Normalfall genau so viel Milch produzieren, wie das
Baby braucht. Manchmal trinkt das Baby aber plötzlich weniger, so
dass zuviel Milch vorhanden ist. In dem Fall kann es zu einem
Milchstau kommen. Die Brust ist dann prallgefüllt, fühlt sich hart
und knotig an und ist sehr schmerzhaft. Die Frau kann sich helfen,
indem sie das Kind öfter anlegt. Ein Teil der Milch lässt sich
meist auch ausstreichen, am besten unter einer warmen Dusche.
Kühlende Umschläge zum Beispiel mit Quarkpackungen sind ebenfalls
hilfreich, ebenso wie Salbeitee, dessen Wirkstoffe die
Milchproduktion etwas einschränken. Wenn jetzt noch Fieber
hinzukommt , muss die Stillende unbedingt ihren Frauenarzt
aufsuchen, damit eine Brustentzündung verhindert, bzw, behandelt
werden kann.
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