| Unfruchtbarkeit
Wenn bei einem Paar
trotz Kinderwunsches und regelmäßigem, ungeschützten
Geschlechtsverkehrs eine Schwangerschaft ausbleibt, kann das
vielfältige Ursachen haben. Diese können sowohl bei der Frau, als
auch beim Mann liegen.
Voraussetzungen für eine
Schwangerschaft von seitens der Frau sind normale anatomische
Begebenheiten der Genitalorgane mit Durchlässigkeit von den
Eierstöcken bis zur Gebärmutter, normale hormonelle Funktion,
normale Eiproduktion der Eierstöcke und normale bakterielle
Besiedelung der Scheide. Voraussetzungen von seitens des Mannes sind
die ausreichende Produktion funktionstüchtiger Spermien und der
dafür notwendigen Hormone, die Durchlässigkeit des Samenleiters,
normale Zusammensetzung des Prostata- und Bläschendrüsensekrets
und die befruchtungsfähige Potenz zum Zeitpunkt des Eisprunges.
Ursachen für Unfruchtbarkeit jeder Art
lassen sich aus diesen Voraussetzungen ableiten, wobei sie in 35-40%
beim Mann , in 40-50% bei der Frau und in ca. 15% bei beiden
zusammen zu suchen sind.
Man unterscheidet Sterilität, welche
die Unfähigkeit zur Kohabitation oder zur Empfängnis bezeichnet,
von Infertilität, die die Unfähigkeit bezeichnet, die Frucht
auszutragen. Außerdem wird zwischen primärer und sekundärer
Sterilität unterschieden. Primäre Sterilität liegt vor, wenn eine
Frau trotz Kinderwunsches und regelmäßigem Geschlechtsverkehr
innerhalb eines Jahres nicht schwanger wird , sekundäre Sterilität
nennt man die Unfähigkeit nach bereits vorausgegangenen
Schwangerschaften und Geburten nochmals schwanger zu werden.
Eine große Bedeutung für die
Kinderlosigkeit kommt dem Alter zu, in dem die Frauen sind, wenn sie
Kinder planen. Nach dem 35. Lebensjahr geht die Empfängnischance
stark zurück, sie ist sogar zwischen dem 30. und 35. Lebensjahr
schon erniedrigt.
Liegt die Ursache für die
Kinderlosigkeit bei der Frau, liegt dem in fast der Hälfte der
Fälle eine Fehlfunktion der Eierstöcke zugrunde. Ca. 40% der
Fälle machen organische Ursachen aus, wie z.B. Unbeweglichkeit der
Eileiter, anatomische Begebenheiten, wie Lageanomalien der
Gebärmutter, narbige Veränderungen im Unterbauchraum oder
Entzündungen der Scheide. Auch psychogene Faktoren spielen eine
Rolle, wie z.B. übersteigerter Kinderwunsch, Ablehnung der
Mutterrolle, seelische Konflikte usw.
Um die Ursachen für eine ausbleibende
Schwangerschaft herauszufinden, muss der Arzt eine Reihe von
Untersuchungen durchführen. Zuallererst sollte ein ausführliches
Gespräch stattfinden. Hierbei wird der Arzt nach der Zyklusanamnese
fragen, um herauszufinden, wann der optimale Zeitpunkt für die
Kohabitation ist. Auch hierfür eignet sich die
Basaltemperaturkurve. Mit Hilfe dieser kann festgestellt werden, ob
überhaupt ein Eisprung stattfindet, und wenn ja, wann. Ist dies
nicht der Fall, kann z.B. durch eine Blutabnahme ein Hormonprofil
erstellt werden, welches die Ursache für den ausbleibenden Eisprung
klären kann.
Außerdem müssen gynäkologische
Erkrankungen und Operationen erfragt werden und es muß eine
körperliche Untersuchung durchgeführt werden, die z.B. anatomische
Anomalien oder andere Ursachen aufzeigen kann.
Falls keine Ursache ersichtlich wird,
ist zunächst eine urologische Untersuchung des Partners mit
Untersuchung des Spermas (Spermiogramm) sinnvoll, bevor man noch auf
die sog. weiterführende invasive Diagnostik zurückgreifen kann.
Hierunter versteht man eine diagnostische Laparoskopie, bei der
über kleine Einschnitte in der Bauchhaut optische Geräte in den
Bauchraum eingeführt werden können, mit denen man den Zustand der
inneren Genitalorgane vom Bauchraum aus beurteilen kann. Dabei
können z. B. Verwachsungen an den Eileitern oder gutartige Geschwülste an der Gebärmutter (Myome) festgestellt werden. Man
kann dabei auch eine sog. Chromopertubation durchführen, um die
Durchlässigkeit der Eileiter zu überprüfen. Dafür wird eine
farbige Flüssigkeit von der Gebärmutter aus durch die Eileiter
gepumpt, und man beobachtet über die Laparoskope vom Bauchraum aus,
ob diese an den Eierstöcken ankommt. In manchen Fällen liegt nur
eine minimale Verklebung der Eileiter vor, die mit diesem Verfahren
schon gelöst werden kann, so dass die Frau nach der
Chromopertubation schwanger werden kann. Ebenso können vorhandene
Verwachsungen mit den Eileitern bereits während der Laparoskopie
gelöst werden.
Steht nun die Ursache für die
Unfruchtbarkeit fest, wird der Arzt diese behandeln. Bei hormonellen
Ursachen kann man sie mit verschiedenen Hormonpräparaten behandeln.
Liegt zum Beispiel eine Überproduktion von Hormonen vor, wird diese
mit gegenläufig wirkenden Hormonen gebremst, oder die mangelnde
Produktion eines Hormons kann durch Hormonpräparate angekurbelt
oder ersetzt werden. Auf diese Weise kann beispielsweise ein
hormonell bedingt ausbleibender Eisprung ausgelöst werden. Diese
Therapie ist sehr wirkungsvoll. Allerdings muss eine erhöhte
Mehrlingsrate in Kauf genommen werden.
Eine andere Möglichkeit zur Behandlung
hormonell bedingter Sterilität ist die im Rahmen einer Kur. Hier
soll sich das Paar zum einen entspannen und Streß abbauen. Zum
anderen lassen sich die Hormonstörungen z. B. mit Moorbädern
behandeln. Moorbäder wirken entzündungshemmend, entspannend und
durchblutungsfördernd. Vor allem aber enthalten sie Stoffe, die
über die Haut aufgenommen werden und einen Eisprung auslösen
können. Bevor es früher Hormontherapien in Tablettenform gab,
wurde Frauen, die nicht schwanger wurden, regelmäßig Moorbäder
verordnet.
Ist die Ursache für die Sterilität der
Frau organisch bedingt, liegt zum Beispiel eine Undurchlässigkeit
der Eileiter vor, so kommen verschiedene Verfahren in Frage, die
Eileiter zu umgehen.
Zum einen besteht die Möglichkeit, eine
sog. IVF ( InVitro-Fertilisation ) durchzuführen. Dafür werden
der Frau einige Follikel aus dem Eierstock entnommen. Dies geschieht
transvaginal, das heißt, die Eierstöcke werden über eine Sonde ,
die in die Scheide eingeführt wird, punktiert. Damit überhaupt
mehrere reife Follikel entnommen werden können, muss die Frau
vorher mit Hormonen behandelt werden, da sonst monatlich nur ein
Follikel reifen würde. Die entnommenen Follikel werden nun mit dem
Sperma des Mannes zusammengebracht und bebrütet. Nach ca. 40-48
Stunden lassen sich die ersten Zellteilungen nachweisen. Meist
werden 2-3 Embryonen im 4- oder 8-Zellstadium in die Gebärmutter
der Frau eingesetzt.
Eine etwas abgewandelte Form der IVF ist
die ICSI, die intrazelluläre Spermieninjektion, bei der jeweils ein
Spermium mit einer Microkanüle direkt in das Ei injiziert wird. Das
kann notwendig werden, wenn die Spermien von sich aus nicht in der
Lage sind, die Eihülle zu durchdringen.
Leider ist die Geburtenrate mit IVF oder
verwandten Formen mit 11,2% nicht sehr hoch. Auch bei diesem
Verfahren ist zu berücksichtigen, dass die Mehrlingsrate erhöht
ist.
Sind die Spermien des Mannes nicht
ausreichend bewegungsfähig, oder ist die Kohabitationsfähigkeit
des Mannes ist eingeschränkt, besteht die Möglichkeit, Spermien
mit einer Spritze und einer langen Kanüle direkt in die
Gebärmutter der Frau einzubringen (Insemination).
Bei anderen Ursachen für die männliche
Sterilität, muss der Urologe weitere Untersuchungen durchführen,
um entsprechend therapieren zu können.
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